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Botulinumtoxin oder Botox

Allgemeines zum Botulinustoxin

Das Bakterium Clostridium botulinum bildet unter anaeroben, d.h. "Sauerstoff- freien", Bedingungen auf tierischen oder pflanzlichen Nahrungsmitteln "Botulinustoxine" (Toxin= Gift), von welche bisher sechs verschieden Untertypen (A bis F) bekannt sind. Vor allem selbst eingemachte oder zu lange gelagerte Fleisch-, Wurst- und Bohnenkonserven sind mögliche Nährböden für diese Bakterien. Die von ihnen gebildeten Toxine sind nichts anderes als Proteine und können daher durch mindestens 10minütiges Kochen abgetötet werden. Werden die Speisen allerdings vor dem Verzehr nicht gekocht, kann das fatale Folgen für den Menschen haben. Botulinustoxin gilt als einer der stärksten überhaupt bekannten Gifte und ist als hochwirksames Nervengift auch als Biowaffe bekannt. Botulinustoxine hemmen irreversibel, d.h. ohne dass man es rückgängig machen kann, die Freisetzung von einem Botenstoff namens Acetylcholin an Synapsen von Nerven zu Muskelzellen. Dies führt nach wenigen Stunden zu einer Pupillenerweiterung, Schluck- und Sprachstörungen, Doppeltsehen, Muskelschwäche, Atemnot und schlimmen Krämpfen. Bereits geringste Mengen (ca. 8µg) reichen aus, um einen erwachsenen Menschen bei oraler Aufnahme zu töten. Bei Inhalation sind sogar nur noch 0,008µg erforderlich. Das Gift wird sehr schnell vom menschlichen Körper ins Gewebe aufgenommen und daher sind große Mengen Antidot (Gegengift) notwendig, um das Leben des Vergifteten zu retten. Die Patienten versterben ohne Therapie nach 4- 10 Tag aufgrund einer Lähmung der Atemmuskulatur, eines Herzstillstand oder einer Lungenentzündung. Die Therapie dauert meist mehrere Wochen, die Patienten müssen dabei künstlich beatmet werden und bekommen eine Dauerinfusion mit dem Gegengift. Trotzdem ist die Prognose sehr schlecht und 10-20 % der Vergifteten versterben trotz intensivmedizinischer Betreuung.


Botulinustoxin als Medikament

Das Toxin von Clostridium botulinum wird heutzutage in geringen pharmakologischen Dosen medizinisch und therapeutisch genutzt. Es kommt als Medikament in Einsatz bei gewissen spastischen Muskelerkrankungen wie dem Blepharospasmus (Lidkrampf), bei Krämpfen der Gesichtsmuskeln oder bei einem Schiefhals. Ein ganz neues Anwendungsgebiet ist auch die Hyperhidrose, eine krankhaft vermehrte Schweißbildung an Achseln, Händen und Füßen. Durch Injektion von Botulinustoxin kann die pathologische Schweißbildung 6-8 Monate lang zuverlässig vermindert werden.


Botulinustoxin als Antifaltenmittel

Seit Mitte der 90iger Jahre ist das Botulinustoxin A unter seinem Handelsnamen BOTOX im Einsatz gegen Falten bekannt. Ein Augenarzt namens Alan B. Scott, ein Pionier der Botox- Injektionen, entdeckte als kuriose Nebenwirkung nach Behandlung des Lidkrampfs bei seinen Patienten ein Verstreichen ihrer Gesichtsfalten. Ihm war die Bedeutung dieser Entdeckung damals noch nicht bewusst, doch seine Mitarbeiterin Jean Carruthers forschte weiter an der Möglichkeit zur Faltenbehandlung mit dem Botulinustoxin A und 1990 erschien ihre erste Veröffentlichung.
Seit 2002 ist BOTOX nun in den USA als Antifaltenmittel zugelassen und hat seither einen wahren Schönheits- Boom ausgelöst. In Deutschland bewegt sich das Mittel noch in einer gesetzlichen Grauzone zwischen Kosmetikprodukt und Arzneimittel. Bei dem Botulinumtoxin A (Handelsnamen Xeomin, Botox, Vistabel oder Dysport) handelt es sich um ein gentechnologisch hergestelltes Protein. Durch Injektion des Medikaments unter Mimikfalten bewirkt es eine rasche Erschlaffung der Muskeln und damit einen deutlichen Verjüngungseffekt. Es kann sowohl die Falten am Hals wie auch am Gesicht glätten und ist besonders im Bereich um die Augen wirksam. Falten gibt es in vielen verschieden Ausprägungen: Lachfalten, Sorgenfalten, Krähenfüsse, Zornesfalten um die Augenbrauen,? Allen gemeinsam ist, dass sie durch häufige, mal beabsichtige, manchmal aber auch unbewusste Muskelverkrampfungen, z.B. im Stress oder im Ärger, entstehen. Mit Botulinustoxin A ist es möglich, innerhalb kurzer Zeit störende Falten zu entfernen und so eine drastische Veränderung des Gesichtsausdrucks zu bewirken. Nach der Behandlung mit Botox wirkt das Gesicht sichtlich entspannter, durch die Verminderung von Zornesfalten weniger ärgerlich und verleiht den Patienten ein strahlendes und jüngeres Aussehen. Botox wirkt dabei, indem es die Muskelaktivität, die zur Faltenbildung führt, reduziert. Mit der Zeit entspannt sich auch die darüber liegende Haut im Rahmen ihrer eigenen Elastizität und die störenden Falten verschwinden. Dieser Prozess dauert etwa 4 bis 6 Wochen. Somit wird durch die Behandlung mit Botulinustoxin A die Ursache der Faltenbildung bekämpft und nicht, wie bei anderen Behandlungen, lediglich die Folgen vermindert (z.B. bei der Faltenunterspritzung).
Die Behandlung wird ambulant durchgeführt, der Schmerz ist hierbei nicht viel größer als bei einem gewöhnlichen Insektenstich. Die Patienten können anschließend sofort nach Hause gehen und sind voll arbeitsfähig.

Risiken, Nebenwirkungen, Resistenzen

Wird die Behandlung von einem fachkundigen Arzt durchgeführt, sind in der Regel kaum Risiken bekannt. Nur unter unsachgemäßer Behandlung mit dem Toxin kann es zu enttäuschenden Ergebnissen kommen. Schon leichte Dosierungsfehler können zum Beispiel zu einem Erstarren der Gesichtszüge führen, die sich allerdings innerhalb von wenigen Wochen zurückbilden. Zu sonstigen Risiken und Nebenwirkungen wird der behandelnde Arzt vor der Behandlung allerdings ausführlich informieren.
Bei ca. 5 % der Patienten gibt es außerdem natürliche Resistenzen gegen das Medikament: es wirkt bei ihnen dann einfach nicht. Bei weiteren 5-20 % entstehen diese Resistenzen mit der Zeit durch eine Anpassungsreaktion des Körpers, was dazu führt, dass die Folgebehandlungen mit Botulinustoxin A nicht mehr das gewünschte Ergebnis liefern.
Der glättende Effekt von Botulinustoxin A hält in der Regel etwa 6 Monate an. Die Behandlung kann jedoch nach Abklingen der Wirkung beliebig oft wiederholt werden.

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