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Optimale Pflege der Zähne mit Xylitol

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Wer Karies individuell vorbeugen will, ist Selbstzahler


Versuchen wir die Entstehung von Karies einfach zu erklären: Stellen Sie sich vor, der Speichel wäre flüssiger Zahnschmelz, der Mineralverluste der Zähne ständig ausgleichen kann, solange sich Mineralverlust (Demineralisierung) und Mineralersatz (Remineralisierung) die Waage halten. Dieses Gleichgewicht kann durch Karies-Bakterien gestört werden. Diese bilden auf den Zähnen einen Belag, die Plaque und vermehren sich darin. Je häufiger wir Zucker (Saccharose) in Form von Getränken oder Lebensmitteln über den Tag verteilt konsumieren, desto mehr zahnschädigende Säure können sie produzieren.




Xylit, auch Xylitol, Birkenzucker oder Zahnzucker genannt, ist ein Zuckeraustauschstoff, der den Kariesbakterien nicht als Nahrungsquelle zur Verfügung steht und deren Vermehrung hemmt. Genau darin besteht der große Vorteil der kariesverhindernden Wirkung. Dieser Zuckeraustauschstoff, ein sogenannter Zuckeralkohol kommt in allen grünen Pflanzen vor und auch im menschlichen Organismus, denn die Leber produziert täglich 10-15g als Zwischenprodukt des Kohlenhydratstoffwechsels.



Die Süßkraft von Zucker und Xylit ist gleich. Der Unterschied besteht lediglich in einem Frischegefühl im Mund, während es auf der Zunge zergeht. Das macht diesen Zuckeralkohol besonders geeignet als Zuckerersatz in süßen, aber zuckerfreien Lebensmittel.




40 Jahre klinische Forschung zur Zahnpflege


Der interessanteste Aspekt ist aber, dass sich Xylitol als sehr wirksam bei der Bekämpfung von Karies erwiesen hat. Seit etwa vierzig Jahren hat sich die Forschung damit beschäftigt und in diversen Studien nachgewiesen, dass eine Reduktion von Karies zwischen 35 und 100 % erreichbar ist. Wichtig war, dass es regelmäßig, wenn auch in kleinen Mengen (7 - 12g täglich) nach allen kleinen und großen Mahlzeiten genommen wird. Weltweit haben diese Erkenntnisse zu einer hohen Akzeptanz und Befürwortung in der zahnmedizinischen Fachwelt geführt. Auch in der Bevölkerung ist das Bewusstsein dafür gestiegen. So ist es in Skandinavien schon lange erfolgreich gegen Karies im Einsatz.




Wichtige klinische Publikationen


In vielen groß angelegten Studien konnte bewiesen werden, dass ein regelmäßiger Konsum von Kaugummi oder Süßwaren, die mit Xylitol gesüßt waren, die Häufigkeit von Neuerkrankungen in Bezug auf Karies um 35 bis 100 % reduzieren kann. Manche dieser Untersuchungen sind durch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) kontrolliert worden und zeigen die Überlegenheit von Xylitol gegenüber dem Sorbit/Sorbitol und anderen Zuckerersatzstoffen bezüglich der Reduktion von Karies. Keine anderen Zuckeralkohole/Polyole erreichten ähnliche Resultate.


In den Testreihen ist Xylitol nur in Form von Kaugummis zusätzlich zu den Mahlzeiten verwendet worden. Die antikariogene Wirkung, die sich gezeigt hatte, war stärker von der Häufigkeit als von der verbrauchten Menge abhängig (siehe Isokangas et al., 1987; Mäkinen et al., 1996). Es hat sich sowohl in Gruppen mit nahezu gesunden als auch in Gruppen mit weniger gesunden Zähnen als wirksam erwiesen. In einer Studie konnte mit täglichen Xylit-Kaugummis bei Kindern eine Kariesreduktion beobachtet werden, die trotz Fluoridsupplementation einen Kariesbefall aufwiesen (siehe Isokangas et al., 1987). In der Belize-Studie von 1996 (siehe Mäkinen et al, 1996) zeigte sich der kariesvermindernde Effekt sogar bei parallelem, fortwährendem Konsum von Zucker und ohne jegliche zahnärztliche Versorgung.


Die Ylivieska-Studie von 1987 konnte nachweisen, dass der kariesvorbeugende Effekt sogar Jahre nach dem Absetzen der Zahnpflege-Kaugummis noch vorhanden war. Der Nachweis gelang anhand des zweiten Molaren bei Personen, die in der Phase des Zahndurchbruchs Kaugummis mit Xylitol kauten und später nicht mehr. Dennoch wiesen diese zweiten Molaren weniger Karies auf als die der Kontrollgruppe. Für Kaugummis mit Sorbitol konnte dieser Effekt nicht gezeigt werden.




Zusammenfassung: Bedeutende klinische Projekte


Die einzigartige Wirkungsweise von Xylit


Der chemische Aufbau der Xylitol-Moleküle fördert wichtige, biochemische Prozesse, die Zusammensetzung und Menge des Karies verursachenden Zahnbelags - der Plaque positiv beeinflussen. Der Unterschied zwischen Xylit und anderen als Süßstoffe eingesetzten Polyolen, ist folgender:


1. Xylitol kann nicht von Bakterien verstoffwechselt werden. Bakterien des Mundraumes können nicht lernen, den Zuckerersatzstoff zur Fermentierung zu verwenden und zeigen langfristig keinerlei Anpassung - im Gegensatz zu Sorbitol. Mit der Zeit wird es zunehmend fermentiert, unter Erhöhung der Zahl der kariesverursachenden Mutans-Streptokokken (vgl. Kalfas et al., 1990). Diese Streptokokken "lernen", Säure aus Sorbitol zu produzieren. Für Xylit hingegen ist diese Anpassung nicht gegeben (siehe Havanaar et al., 1978).


2. Xylit senkt bei regelmäßigem Verbrauch die Bildung von Plaque (Mäkinen und Isokangas, 1988). Diese Reduktion erklärt man sich mit der Fähigkeit, adhäsive Makromoleküle, die in der Plaque enthalten sind, zu reduzieren (vgl. Mäkinen et al., 1985). Die Stärke der Plaquereduzierung liegt zwischen 20 und 50 % bei täglicher Verwendung von 6-12 Gramm Xylit bei normaler Mundhygiene. Für Sorbitol ließ sich kein vergleichbares Ergebnis nachweisen.


3. Xylitol hat eine positive Wirkung auf die Mundflora. Seine inhibierende Wirkungsweise auf die Mutans-Streptokokken konnte erstmalig im Jahre 1970 nachgewiesen werden. Zu Beginn der 80er-Jahre belegten zwei Forschungsgruppen (siehe Trahan, 1995) unabhängig voneinander, dass Xylitol die Entwicklung der Mutans-Streptokokken hemmt. Unter chemostatischen Bedingungen vermindert es die Zahl der Mutans-Streptokokken, nicht aber die von anderen, nützlichen Mikroorganismen der Mundflora (siehe Bradshaw et al., 1994). Mit Hilfe von Kurzzeitstudien wurde gezeigt, dass regelmäßiges Verwenden die Mutans-Streptokokken in der Plaque und im Speichel reduziert (Loesche et al., 1984; Söderling et al., 1989). Durch Langzeitkonsum werden natürliche Bakterienstämme von Mutans-Streptokokken vermehrt, die sich leicht von der Oberfläche der Zähne in den Speichel lösen lassen (Söderling et al., 1991; Trahan et al., 1992).


Diesen Ergebnissen zufolge werden Langzeitanwender nicht von Mutans-Streptokokken frei, diese haften aber weniger gut an den Zähnen und sind weniger aggresiv. Die geringere Virulenz ist auch als Erklärung der Ergebnisse der Belize-Studie herangezogen worden (siehe Hujoel et al., 1999). In Bezug auf Sorbitol gab es keine derartigen Ergebnisse. Im Gegenteil wurde die Anzahl der kariesverursachenden Mutans-Streptokokken durch regelmäßigen Gebrauch von Sorbitol sogar erhöht (siehe Wennerholm et al., 1994).




Die Mutter-Kind-Studie


In der so genannten Mutter-Kind-Studie der Forschergruppe um Söderling et al. (2000) sind finnische Frauen aus der Kleinstadt Ylivieska ausgewählt worden. Alle wiesen während ihrer Schwangerschaft hohe Zahlen an Kariesbakterien (Mutans-Streptokokken) im Speichel auf. Somit bestand eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese Frauen später ihre Kinder mit Karies anstecken würden. Man bildete drei Gruppen, eine Xylit-Gruppe und zwei Kontrollgruppen. Die Xylit-Gruppe verwendete viermal täglich Xylitol-Kaugummis vom 3ten bis zum 24ten Monat nach der Geburt des Kindes. Eine der beiden Kontrollgruppen bekam eine Fluoridierung mit Lack, zum reinen Zahnschutz. Die zweite Kontrollgruppe erhielt Chlorhexidin-Lack, um zusätzlich die Zahlen der Keime und damit auch das Übertragungsrisiko zu senken. Die Lackbehandlungen der Mütter fanden jeweils sechs, zwölf und achtzehn Monate nach der Geburt der Kinder statt. Die Kinder selbst erhielten keinerlei Behandlung.

Anschließend hat man das Gebiss der Kinder jährlich untersucht. Bei den dann zweijährigen Kindern sind die Mutans-Streptokokken-Werte erstmals verglichen worden. In der Fluorid-Gruppe waren sie fünfmal höher, in der Chlorhexidin-Gruppe dreimal höher als in der Xylit-Gruppe. Die erneut ermittelten Karieswerte der Kinder im Alter von 5 Jahren bestätigten die bisherigen Resultate. Diese Ergebnisse untermauern das Vorsorgekozept, dass der regelmäßige Konsum von Xylitol für weniger gut anhaftende und schlechter übertragbare Kariesbakterien (Mutans-Streptokokken) sorgt.




Die tägliche Anwendung


Als wirkungsvollste Dosierung, abgeleitet von den klinischen Langzeittests, ergibt sich die Empfehlung von 7 bis 12 Gramm über den Tag verteilt anzuwenden. Dies kann in Form reiner Xylitkaugummis, Xylitbonbons oder auch pur als Xylitpulver geschehen (vgl. Beobachtungen von Zahnarzt Dr. Bruhn).



Kosten pro Monat weniger als eine Schachtel Zigaretten


Xylitol pur als Pulver zu kaufen und auch als Zahncreme mit zu benutzen stellt die kostengünstigste und gleichzeitig vielseitigste Verwendungsmöglichkeit dar. Denn reines Pulver kann optimal auch als Ersatz für Haushaltszucker 1:1 verwendet werden.



Anwendungsempfehlung: Nach allen Mahl- und Zwischenmahlzeiten einen halben Teelöffel Xylitpulver (ca. 2g) im Mund mit Speichel lösen lassen und Mund und Zähne für 3 bis 5 Minuten mit der süßen Lösung spülen. Danach ausspucken oder schlucken und nicht nachspülen. Das ist alles und man braucht ca. 12g tägl.!



Der Preis pro Tag liegt damit bei gerade einmal ca. 12 Cent, was einem monatlichen Aufwand von weniger als einer Schachtel Zigaretten entspricht. Dies sollte jedem seine Gesundheit wert sein.


Da die Herstellung des Zuckeralkohols aufwendig ist, bewegt sich der Preis pro Kilo zwischen 9 und 21 Euro. Es ist in etwa wie bei Öl. Gutes, natives Bio-Öl ist eben teurer. So wird günstigere chinesische Ware aus Maisabfällen gewonnen. Ob es rein und gentechnikfrei ist müssen Sie entscheiden - Papier ist ja bekanntlich geduldig. Wir empfehlen Xylit von Zahnzucker, das aus nachwachsenden Laubhölzern in Finnland hergestellt wird, dem Land der bahnbrechenden Studien.


Lebensmittel die zu 100% nur mit reinem Xylit gesüßt wurden erhalten Sie nur in Apotheken oder im Internet







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