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Parodontose ist die falsche Bezeichnung für Parodontitis

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Nahezu jeder 2. ab 35 leidet darunter: Parodontitis, besser bekannt als Parodontose. Alles beginnt unmerklich und schmerzfrei, die Patienten leiden unter Zahnfleischbluten, manchmal leiden die Betroffenen unter akuten Schüben, sogenannten Taschenabszessen. Meist jedoch geht ganz unmerklich Knochen verloren, Zahnverlust ist dann die Folge. Plaquebakterien sind die Ursache für Parodontitis und Karies, leider kommen die Meisten erst zum Parodontologen, wenn die Zähne lockern sind! Eine rechtzeitige Parodontaltherapie kann die Entzündung des Zahnhalteapparates stoppen.

Vorweg ein wenig Begriffsdefinition, wenn Ihr Zahnarzt von Parodontose spricht, dann sind Sie beim falschen Arzt! Wieso sagen heute noch so viele Ärzte zur Parodontitis fälschlicherweise Parodontose? In der Medizin bedeutet die Endung –itis eine Entzündung, -ose hingegen steht für eine stoffwechselbedingte degenerative Störung. So bedeutet Arthrose eine Gelenkdegeneration etwa in Folge einer Gelenkfehlbelastung. Eine Arthritis hingegen bedeutet Gelenksentzündung, z.B. nach einer Infektion durch Bakterien bei einem Unfall. Die Begriffe Parodontose, Parodontopathie und Parodontitis leiten sich jeweils von dem Wort “Parodont” ab. Darunter versteht man den Zahnhalteapparat, d.h. das Verankerungssystem des Zahnes im Knochen (paro = um herum, dont = Zahn). Der Zahnhalteapparat setzt sich aus Zahnfleisch, Knochen, Wurzelhaut und Wurzelzement zusammen. Lange Zeit konnte man bei Patienten mit einer Parodontitis keine Bakterien aus den Zahnfleischtaschen isolieren, denn man züchtete die Keime unter Sauerstoff. Diese Bakterien kommen aber eben deshalb in den Zahnfleischtaschen vor, da sie die dort herrschenden sauerstoffarmen Bedingungen schätzen. Der Trugschluss war: keine Bakterien, also eine –ose! Erst durch molekularbiologische Methoden konnte man vor 25 Jahren DNA von Bakterien nachweisen, später gelang dann auch die Bakterien Züchtung in speziellen Brutkammern – Inkubatoren – unter sauerstoffarmen Bedingungen.

Es handelt sich also doch um eine -itis. Dies ist nicht nur eine Wortspielerei, eine Entzündung gehört nämlich anders behandelt, als eine degenerative Störung und die richtige Diagnose ist der Beginn der richtigen Therapie! Bei der Parodontitis Therapie kommt es nämlich auf zwei wichtige Faktoren an, erstens das der Arzt die Krankheit kennt und zweitens das Sie die Zusammenhänge verstehen. Ohne diese beiden Faktoren ist eine Behandlung nicht erfolgsversprechend. Damit Sie die Zusammenhänge verstehen bedarf es guter Aufklärung, das kostet in der Regel Zeit. Früher konnte man also aufgrund Unkenntnis der Krankheit und daraus resultierender falscher Untersuchungstechniken, keine Bakterien nachweisen und sprach deshalb von Parodontose, seit ca. 25 Jahren aber weiß man, dass es sich um eine bakteriell verursachte Entzündung des Zahnhalteapparates handelt, also um eine Parodontitis. Die Parodontitis Therapie beginnt mit also zuerst mit der richtigen Diagnose, eine Parodontose kann man nicht behandeln! Egal ob aggressive – oder chronische Parodontitis, die Behandlung hat auch nichts mit einer Mundhygiene zu tun, denn auch das bekommen viele Patienten zu hören. Bei der Parodontaltherapie erhebt der Zahnarzt zu Beginn genaue Befunde, dann folgt eine Initialtherapie. Nach einer mindestens 8 wöchigen Pause nach der letzten Initialtherapie, werden wiederum Befunde erhoben und mit den ersten Befunddaten verglichen, nun erst wird der genaue Therapieplan festgelegt.

Wieso ist die Beschäftigung mit unserem Zahnhalteapparat so wichtig, spiegelt unser Zahnfleischzustand unsere Gesundheit wieder? Ja und Nein! Diese lokal chronische Entzündung kann sich negativ auf das ganze System - den Körper, auswirken. Verschlechterungen der Blutzuckerkontrolle bei Diabetikern, Gelenksentzündungen und Frühgeburten bei Schwangeren können die Folge sein. Untersuchungen der letzten Jahre deuten darauf hin, dass eine unbehandelte Parodontitis ein Risikofaktor für eine Frühgeburt sein kann und demzufolge frühzeitig behandelt werden sollte. Bei bestehender Parodontitis werden diverse Bakterienprodukte aus dem Zahnfleisch freigesetzt. Diese Bakterienprodukte führen dazu, dass unser Immunsystem vermehrt Abwehrstoffe – sogenannte Zytokine – freisetzt. Im Fruchtwasser wurden diese Zytokine ebenfalls nachgewiesen und zeigen einen Anstieg bei Frauen mit vorzeitiger Wehentätigkeit. Tierexperimentelle Untersuchungen am Goldhamster haben gezeigt, dass gewisse Zytokine von gramnegativen Bakterien einen dosisabhängigen, schädlichen Einfluss auf das Geburtsgewicht haben und zu Missbildungen führen können! Heute weiß man, dass eine Parodontitis das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen kann. Zudem weisen Studien auf einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und untergewichtigen Frühgeborenen hin. Erste Trends zeigen, dass eine nicht-chirurgische Parodontitistherapie den Schwangerschaftsverlauf günstig beeinflussen kann.

Auch bei der Arteriosklerose wird die Parodontitis als Mitverursacher diskutiert. Bei Patienten mit Neigung zur Thrombenbildung besteht die Gefahr der Bakterieneinnistung in gebildete Thromben und somit zur Entzündungsbildung. Unser Immunsystem kämpft tagtäglich mit Millionen von Mikroorganismen und Viren! Meistens erfolgreich, wenn nicht, dann merken wir das sofort – wir werden krank. Unsere Körperöffnungen sind eine willkommene Eintrittspforte für Krankheitserreger. Deshalb finden Sich im Bereich der großen Schleusen (Mund, Rektum, Genital, Ohr, Nase) spezielle „Abwehrstationen“ unseres Immunsystems, der Mediziner spricht z.B. im Mundbereich von Tonsillen, der Laie von „Mandeln“. Bleiben wir bei den kleinen „Körperöffnungen“ wie den Nägeln oder Zähnen. Zähne sind normalerweise mit dem Zahnfleisch „verwachsen“; eine Schlupfnische für Bakterien ist im gesunden Zahnhalteapparat nicht vorhanden. Dies ändert sich aber bei entzündetem Zahnfleisch. Durch die Entzündung wird der Zahn-Zahnfleischverbund zerstört, zudem „quellen“ Blutgefäße auf, all dies führt dazu, dass Bakterien aus unserer Mundhöhle leichter in das Blutgefäßsystem gelangen. Der Mediziner spricht von „transienten Bakteriämien“, für Patienten mit Herzfehler kann dies gefährlich enden. Der Grund ist folgender: Bakterien werden normalerweise schnell vom Immunsystem getötet, außer die Bakterien schaffen es rechtzeitig sich vor den Immunzellen zu verstecken. Das tun Bakterien gerne in sogenannten „thrombotischen Vegetationen“. Thrombotische Vegetationen sind nichts anderes als „Blutkrusten“ im Blutgefäßsystem. Sie bestehen hauptsächlich aus Blutplättchen und bilden sich immer dort, wo es Störungen des Blutstromflusses gibt. Diese „Blutstromflussstörungen“ können natürlichen Ursprungs sein, wie bei angeborenen Herzfehlern, oder aber auch erworben, z.B. bei künstlichen Herzklappen, künstlichen Gefäßwänden, Gefäßshunts usw. Gelangen Bakterien in unser Gefäßsystem, dann können sie sich in den Blutkrusten “verstecken” und sind so vor dem Zugriff der Immunzellen geschützt. Vorbei rauschende Immunzellen „denken“ sich nichts bei den Blutkrusten, denn die sind ja körpereigen. Angegriffen werden nur fremde Strukturen. Im inneren der Blutkrusten aber vermehren sich ungestört die Keime, bis dann ihre Zellzahl so groß ist, dass es zu einer Streuung kommt. Das Immunsystem kann die Eindringlinge dann alleine nicht mehr bekämpfen – man erkrankt je nach Niederlassungsort der Keime an einer Organinfektion. Früher gab man aus diesem Grund bei vielen zahnärztlichen Behandlungen sofort Antibiotika. Gute wissenschaftliche Studien zu diesem Thema sind aber rar und so beschränkt man heute die Antibiotikavorsorge, nur noch bei nachweislich Herzkranken, oder bei Patienten mit bekannten gefährlichen Leiden.

Eine Zahnfleischentzündung kennen die Meisten, es schmerzt und blutet leicht. Die wichtigsten Ursachen einer Zahnfleischentzündung sind:

  • Zahnbelag (Plaque)
  • Zahnbelag (Plaque) modifiziert durch überstehende Füllungen/Kronenränder
  • Zahnbelag (Plaque) assoziiert mit hormonellen Einflüssen
  • Zahnfleischentzündung während der Menstruation
  • Zahnfleischerkrankungen während der Schwangerschaft
  • Zahnfleischentzündung bei Diabetiker
  • Zahnfleischentzündung assoziiert mit Blutbildstörungen


Sobald die Ursache, also der Zahnbelag regelmäßig beseitigt wird, heilt die Zahnfleisch Entzündung in der Regel von alleine aus. Immer wiederkehrende Zahnfleischentzündungen können aber zu einem Knochenabbau führen, man spricht dann von einer Parodontitis, diese Erkrankung führt unbehandelt über Jahre hinweg zum Zahnverlust. Zum Glück sind all diese Faktoren therapierbar / veränderbar, optimieren Sie z.B. Ihre Putztechnik indem Sie Ihre Zähne zuerst hinten an den schwer zugänglichen Stellen reinigen – mehr dazu in dem Video Zahnreinigung. Verwenden Sie zudem eine Munddusch und Plaquetabletten. Korrigieren Sie die Fehlstellung Ihrer Zähne z.B. mit einer Zahnspange und suchen Sie sich einen gewissenhaften Zahnarzt. Der schöne dichte Kronenränder macht!

Die häufigsten Ursachen der Parodontitis aufzuzählen ist also recht einfach – Plaque. Die Plaque setzt sich aus Speiseresten und Bakterien zusammen. Bakterien in unserem Mund bauen und formen die Plaque und verwenden sie dann als Lebensraum. Bis sich eine reife, also schädliche Plaque bildet, dauert es ca. 24 Stunden. Entfernen wir die Plaque alle 24 Stunden gründlich von unseren Zähnen, dann erkranken wir nicht an Karies und/oder Parodontitis. Der Bakterienhaufen auf unseren Zähnen ist also für Zahnfleischbluten verantwortlich. Leider hören viele Menschen auf Ihre Zähne zu putzen, wenn Sie Blut sehen. Dadurch wird noch weniger Plaque entfernt und das Zahnfleisch entzündet sich noch mehr! Was also tun bei Zahnfleischbluten? Putzen Sie gründlich weiter (das wichtigste ist eine gute Zahnreinigung), auch wenn es blutet, kaufen Sie sich eine Munddusche, denn diese entfernt die Plaque auch unterhalb des Zahnfleisches – im sogenannten Sulcus. Wenn Ihr Zahnfleischbluten nicht aufhört, dann besuchen Sie einen Parodontologen, der stellt fest ob Sie nur eine Zahnfleischentzündung haben, oder schon eine Zahnhalteapparat Entzündung.

Wenn Sie in der Schwangerschaft vermehrt an Zahnfleischbluten leiden, dann müssen Sie nicht besorgt sein. Schwangerschaft ist eine biologische Phase im Leben einer Frau, in der es zu erheblichen hormonellen Veränderungen kommt. Durch die Zunahme an weiblichen Geschlechtshormonen, Östrogene und Progesteron, wird unter anderem auch das Parodont beeinflusst. Das Zahnfleisch besitzt Östrogen- und Progesteron- empfindliche Rezeptoren. Hierdurch können bereits bestehende Zahnfleisch Entzündungen (Zahnfleischbluten) während der Schwangerschaft verstärkt und leichter ausgelöst werden. Das hängt also mit der Hormonumstellung zusammen. Dadurch kommt es zu immer wiederkehrenden Entzündungen. Auch hier gilt putzen, putzen, putzen, auch wenn es blutet.

Immer wieder liest man über wissenschaftliche und nicht wissenschaftliche Berichte von Vitaminmangel und der damit verbundenen Folgen. Viele greifen daraufhin zu homöopathischen Mitteln – meistens ein Fehler! Sogar Ärzte schrecken nicht davor zurück Parodontitispatienten Basenpulver, Coenzyme und sonstigen Humbug zu verschreiben – verpackt wird das als „ganzheitliche Zahnmedizin“. Zahnfleischerkrankungen in den Industriestaaten sind fast ausschließlich wie oben aufgezeigt auf Plaque und nicht auf einen Mangel an Vitaminen zurück zu führen, auch ist die Gabe von irgendwelchen Präparaten zwecks Regulierung des Säurenbasenhaushaltes im Sinne der Entzündungshemmung völliger Unsinn!

Die Munddusche wird immer noch sehr kontrovers diskutiert, ist nun eine Munddusche gut bei Parodontitis? JA! Eine Munddusche ist eine sinnvolle Anschaffung, einigen Zahnärzten argumentieren, man könnte sich Bakterien in die Taschen tiefer hinein spülen. Das ist ein Unsinn, denn Bakterien können sich erstens dank Fortsätzen bewegen und zweitens sind die Bakterien für sich alleine ungefährlich. Erst organisiert in der reifen Plaque verursachen Bakterien Parodontitis und/oder Karies. Mit der Zahnbürste entfernen Sie die Plaque nur oberhalb des Zahnfleisches, mit der Munddusche entfernen Sie noch nicht allzu alte Plaque auch im Sulcus. In den ersten paar Tagen kann das Zahnfleisch leicht bluten und schmerzen – nicht aufhören sondern weitermachen! Das ist ein Zeichen, dass das Zahnfleisch entzunden ist, durch die Munddusche geht die Entzündung und somit das bluten weg! Nicht erschrecken, wenn Ihnen dann die Zähne „länger“ vorkommen, das liegt daran, das durch die Entzündung das Zahnfleisch geschwollen war, nach Abklingen der Entzündung geht die Schwellung zurück – die Zähne wirken länger.

Im Gegensatz zur Munddusche ist ein Speicheltest am Beginn einer Parodontitis Therapie nicht sinnvoll genauso wenig wie Laserbehandlungen. Immer wieder kommt es vor, dass Patienten mit einer Parodontitis zu Beginn der Therapie einem Speicheltest unterzogen werden. Gratuliere, Sie wissen nun dass sie Bakterien im Mund haben! Hätten Sie diese nicht, dann hätten sie auch keine Parodontitis – somit erkennen Sie selbst den Nutzen, dieser meist teureren Diagnostik. Ein Speicheltest ist nur nach erfolgloser konservativer parodontal Therapie sinnvoll. Erst nachdem Sie parodontal therapiert wurden und diese Therapie keinen Erfolg brachte, ist die Suche nach ausgefallenen Keimen mittels Speicheltest unter Umständen sinnvoll. Seriöse Parodontologen weisen Sie auf diese Zusammenhänge hin!

Leider wird die Parodontitis heute immer noch, auch mit Laser behandelt, obwohl schon längst erwiesen ist, dass diese Behandlung keinen Nutzen hat. Laseranwendungen haben etwas Futuristisches an sich, vermutlich ist dies der Grund wieso Patienten leichter für solch eine Behandlung Geld ausgeben. Unseriöse Ärzte nützen diesen Umstand aus, daneben gibt es natürlich auch noch unwissende Ärzte. So oder so ist die Laseranwendung für sie nicht sinnvoll, sondern kann Ihnen sogar schaden. Durch das Laserlicht wird die Zahnwurzel meistens nur aufgeraut und somit wird die Anlagerung von Konkrement erleichtert. Es werden zwar ein paar Bakterien getötet, jedoch bilden sich diese schnell wieder nach – eine Entfernung wird aufgrund Schaffung einer rauen Wurzeloberfläche dann noch schwieriger.

Wenn das Zahnfleisch zurück geht und beim Zähneputzen leicht blutet muss nicht immer eine Parodontitis vorliegen, häufig sind auch undichte Kronenränder Schuld an diesem Geschehen. Es existieren verschiedene Möglichkeiten um einen Zahn für eine Zahnkrone zu beschleifen. Am einfachsten und schnellsten geht der sogenannte Tangentialbeschliff. Das Problem dieses Beschliffes ist, dass die Kronenränder sehr dünn auslaufen würden. Dies würde aber zum Bruch der Keramik führen. Um dies zu verhindern lässt der Zahntechniker mehr Platz am Kronenrand, die Folge sind unschöne wulstige Ränder. Damit der Patient die wulstigen Ränder nicht sieht, wird der Zahn so präpariert, dass die Ränder einfach unter dem Zahnfleisch liegen. Die Folge ist Zahnfleischbluten und leicht entzündliches Zahnfleisches, manchmal entwickelt sich auch eine Zahnfleischtasche und eine Zahnfleisch Fistel. Denn am überhängenden Kronenrand sammeln sich Speisereste, diese sind ein guter Nährboden für Bakterien, diese wiederum verursachen die Entzündung des Zahnfleisches. Die Folge ist Zahnfleischrückgang. Gesundes Zahnfleisch blutet nicht!





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