Die Sucht nach Schönheits-OPs und die psychologischen Hintergründe

Die Dysmorphophobie ist eine ärztlich anerkannte Krankheit, unter der etwa 10% der Patienten bei Schönheitschirurgen leiden. Es ist die krankhafte Annahme, hässlich zu sein. Die auf einem extrem niedrigen Selbstwertgefühl basierende psychische Störung ist seit 120 Jahren bekannt und lässt den Patienten unter einem entstellten Selbstbild und dessen Folgen leiden. Die klare Fixierung auf den angeblichen „Makel“, der für Außenstehende und selbst für einen Plastischen Chirurgen meist nicht nachzuvollziehen ist, kann den Betroffenen körperlich, psychisch und finanziell ruinieren. Denn selbst einem behobenen Mangel folgt meist eine weitere Operation, dann die nächste und noch eine… OP-Kosten, Narkosemittel und der nicht operativ zu erschaffende Traumkörper, mit dem alles anders wird, fressen den Erkrankten förmlich auf. Der Patient gehört dann dringend in die Hände eines erfahrenen Psychotherapeuten.


Besonders in der Pubertät sind Jugendliche weder Fisch noch Fleisch, es wird nach dem eigenen Ich gesucht, die Abgrenzung von den Eltern nimmt teils rebellische Züge an und das Selbstbild nach Außen ist oft das einzige Mittel, diese Phase visuell dar zu stellen. Dass das Selbstbild besonders von Werbung und Stars beeinflusst wird, ist bekannt. Die perfekt retuschiert in Magazinen glänzenden Körper und Gesichter mögen Vorbilder sein, wie sie seit jeher existierten, werden aber nur bei wenigen zum mit krankhaftem Ehrgeiz zu erreichenden Ideal.

Ein ähnlicher Kleidungsstil oder die gleiche Haarfarbe tun es zeitweise auch. Bei übersteigerter Fixierung auf einen körperlichen Makel, Selbstkasteiung wie Bulimie oder Magersucht, Rückzug aus dem sozialen Umfeld, starkes Misstrauen anderen gegenüber oder sich vertiefende Wünsche nach einer Schönheits-OP kann das „Entstellungssyndrom“ vorliegen. Erwartung des Betroffenen ist, dass die herbeigesehnte und oft lang ersparte Operation das komplette Leben ändert. Es können außerdem Zwänge entstehen, um den inneren Druck zu kompensieren.


Oft erfordert es tiefenpsychologisches Geschick als Arzt die Krankheit zu diagnostizieren. Daher ist diese mittlerweile in den Fragenkatalog der Facharztprüfung für Schönheitschirurgen aufgenommen worden. Den deutschen Ärzten ist die Diagnose einer psychischen Störung wie der  Dysmorphophobie ein starkes Anliegen – Ärzten im europäischen Ausland ist der Lohn für die durchgeführte OP meist wichtiger.

Daher ist eine Beratung im Inland bei Zweifeln, ob das Entstellungssyndrom vorliegt, die richtige Entscheidung. Betroffene werden dem Aufruf, einen Schönheitschirurgen zu besuchen, gern nachkommen. Besprechen Sie vorher mit dem ausgewählten Facharzt Ihre Bedenken. Er wird jedoch so oder so eventuell übertriebene Fixierungen abklopfen und den Patienten bei Vorliegen des Hässlichkeitswahns nicht operieren, sondern an einem Profi verweisen.

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